Ein shoppingfreies Jahr: mein Erfahrungsbericht

In meinem heutigen Beitrag einmal ein anderes Thema, das mir ebenfalls am Herzen liegt und woran ich Euch teilhaben lassen möchte. Wie in meinem Post 5 Fragen an margute.com erwähnt, nehme ich mir die Freiheit heraus auch über Themen abseits des Reisens zu schreiben. Daher, here we go.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft.

Alles um uns herum baut darauf auf, dass wir tag täglich konsumieren: die Werbung, die Wirtschaft, die Modebranche, die IT-Branche, die Finanzbranche… im Prinzip im weitesten Sinn alle Branchen in denen wir arbeiten haben das Ziel „Etwas“ an „Jemanden“ zu verkaufen. Wir gehen arbeiten, damit wir uns den Urlaub, das Auto, die Wohnung, das tolle Outfit kaufen können. Wir sparen, machen Überstunden um uns den „einen Traum“ zu erfüllen. Täglich konsumieren wir, wenn es auch nur der Coffee to go oder eine Wurstsemmel beim Supermarkt ist. Doch fragt man sich, wieviel Konsum benötigen wir wirklich und wieviel glauben wir zu brauchen?

Ein Jahr ohne Shopping.

Ich habe mich mit dieser Frage beschäftigt und 2014 ein Experiment gestartet: 1 Jahr ohne Shopping. 12 Monate auf die schöne Bluse aus dem Magazin, die Schuhe, die dieses Jahr so modern sind oder die Tasche, die so toll zu dem einen Outfit passt, zu verzichten. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Mode, Outfits… ich war auch das Jahr zuvor in Italien einkaufen, überlege mir ständig welche Kombinationen schön aussehen und genieße es auch gut gekleidet zu sehen sowohl privat als auch im Job. Man kann also sagen ich bin eine „ganz normale“ Frau. Dennoch, nach einem Jahr Shopping-Auszeit war ich von mir selbst überrascht.

Ich war überrascht wie viel Gewand ich tatsächlich habe, wie viel ich davon neu kombinieren kann, wie viel ich eigentlich nicht benötige und aussortieren konnte (mit gutem Gewissen!) und wie befreiend es sein kann nicht ständig einkaufen zu gehen. Ich habe realisiert: je mehr man hat, desto mehr Stress hat man und desto weniger freut man sich über die Dinge.

Minimalismus.

In Zeiten der Veränderung, der Selbstfindung und Selbstneuerfindung ist Minimalismus genau das, was einem Raum gibt sich selbst und die Dinge besser zu sehen. Erkenntnis ist das was wir benötigen um uns zu entwickeln. Ohne Erkenntnis keine Fortbewegung. Das gilt nicht nur für den Konsumverzicht sondern allgemein. Minimalismus hilft sich wieder zu freuen über kleine, alltägliche Dinge. Es lehrt uns nicht alles für gegeben zu nehmen und zeigt uns wieder bewusster zu leben. Denn ganz ehrlich, jeder von uns war sicherlich schon einkaufen um „sich besser zu fühlen“, um sich „das jetzt zu gönnen“, um sich zu belohnen! Doch diese „Belohnung“, die wir uns gönnen, in Form von materialistischen Dingen, ist kein anhaltendes Gefühl. Es ist ein kurz andauernder Moment der Freude, der spätestens nach ein paar Tagen verflogen ist. Oder habt ihr Euch wirklich schon einmal über etwas Gekauftes monatelang gefreut? Ich denke, es kommt vor, ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

Verzicht nach eigenen Regeln.

Wie läuft also ein „shoppingfreies Jahr“ ab? Tja, dafür gibt es keine Regeln. Es läuft so ab, wie man selbst will. Jeder, der das in irgendeiner Form schon einmal probiert hat, hat seine eigenen Regeln erschaffen und seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. In diesem Beitrag teile ich mit Euch meine …

Für mein shoppingfreies Jahr hatte ich folgende „Regeln“ für mich definiert: Ich kaufe ein Jahr lang kein Gewand, keine Schuhe, Taschen oder sonstige Textilien, die man in irgendeiner Form anziehen kann. Damit es jedoch nicht ganz so hart ist, schließlich will man sich als Frau modetechnisch nicht „zu Tode“ geißeln, habe ich ein paar Ausnahmen für mich definiert.

Meine Ausnahmen lauteten: Unterwäsche, Strumpfhosen etc. sind erlaubt, genauso wie Sportgewand. Jedoch alles eher funktionell, sonst hätte ich wahrscheinlich nur mehr sportliche Outfits gekauft und wäre vielleicht da in einen Kaufrausch verfallen ;). Eine weitere Ausnahme war, dass ich mir ein Outfit meiner Wahl kaufen konnte für die Hochzeit meiner Freunde in dem selben Jahr. Im Nachhinein betrachtet, war das total unnötig, da ich genauso gut aus meinem Kasten etwas Schönes zusammenstellen hätte können. Doch damals dachte ich, ich hätte nichts anzuziehen für die Hochzeit und müsste mir unbedingt ein neues Outfit kaufen.

„Ich habe nichts anzuziehen.“

Die ersten Monate waren wirklich hart, da ich oft daran denken musste tatsächlich für so lange Zeit nichts einkaufen zu dürfen und mir sorgen machte (!), dass ich dann nicht genug Gewand und Schuhe hätte um durch 4 Jahreszeiten zu kommen. Vielleicht doch ein paar Winterschuhe zu wenig oder neue Pumps fürs Büro… das war schon ein unbehagliches Gefühl. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr merkte ich, dass das alles totaler Schwachsinn ist. Wie oft hatte ich schon, sowie sicherlich jede Frau zumindest einmal in ihrem Leben, in meinem Kleiderschrank gestanden und gedacht, dass ich nichts zum anziehen hätte. Jedoch ernsthaft gedacht und dann manchmal sogar schlechte Laune bekommen in dem Glauben für die Party, den Event, den Brunch nicht das richtige Outfit zu haben. Rückwirkend muss ich sagen, dass ich davon endgültigt geheilt bin. Gott-sei-dank.

In dem einen Jahr, habe ich so viel dazu gelernt, dass ich dieses Gefühl überhaupt nicht mehr kenne. Im Gegenteil: ich bin jetzt viel besser darin meinen Kleiderschrank „neu zu erfinden“, neue Kombinationen zu kreieren und, das ist das Entscheidende, bei einem Fehlgriff nicht so hart mit mir selbst zu sein. Man könnte sagen ich bin mutiger, kreativer aber auch gelassener geworden in dieser Hinsicht. Es ist „nur“ Kleidung. Alles in allem eine der besten Erfahrungen, die man umsonst machen kann und sich dabei noch Geld spart! Daher kann ich das jedem empfehlen. Es muss nicht unbedingt Verzicht auf Kleidung sein. Ich denke, das Experiment funktioniert am besten, wenn man auf das verzichtet was man am liebsten konsumiert. Das können genauso gut Computerspiele, Einrichtungsgegenstände oder Briefmarken sein. Ganz egal – man erschafft seine eigenen Regeln.

Meine „Überlebens“-Strategien.

Um jedoch auf das Jahr zurück zu kommen, wo ich (fast) nichts einkaufen konnte, musste ich mir eine Strategie überlegen, mit der ich diese 12 Monate überleben würde. Das klingt dramatisch, war es auch. 😉 Spaß bei Seite. Das alles ist natürlich nicht von heute auf morgen entstanden, sondern hat sich über die Monate entwickelt und kann in abgewandelter Form auch generell für Konsumverzicht angewandt werden um minimalistischer und bewusster zu konsumieren und zu leben. Hier also meine Überlebens-strategien:

Bestand aufnehmen und aussortieren

Was habe ich momentan, was trage ich noch und was liegt eigentlich nur mehr herum? Was gebe ich weg und was behalte ich, um mehr Übersicht in meinem Kleiderschrank zu haben. Doch Aussortieren mit Bedacht! Immerhin galt es 1 Jahr nichts einzukaufen und somit war jedes Teil wertvoller, als jemals zuvor.

Reparieren

Ja genau, das was man heutzutage nicht mehr macht und es gleich in den Müll wirft. In Stand setzen, einen Knopf annähen, nochmals gut aufbügeln, in die Spezialreinigung bringen, beim Schneider anpassen (enger, weiter, kürzer, länger machen). Ich hatte einige Outfits in denen ich mich nicht mehr so wohl fühlte und noch nie 100% wohl gefühlt hatte. Ich konnte dann bei meinem Schneider Einiges ändern lassen um mich wieder wohl darin zu fühlen. Ein Schneider ist teuer glaubt ihr? Ein neues Teil zu kaufen kostet mehr! Zugegeben, mein Schneider ist im Ausland und es hat dann im Endeffekt nicht viel gekostet. Man findet immer einen Weg. 😉

Neu kombinieren

Das konnte ich früher nie. Irgendwie viel es mir schwer – ich habe eher ein neues Outfit gekauft, als eine neue Kombination aus dem was ich zu Hause hatte zu kreieren. Jetzt habe ich es gelernt und wirklich gefallen daran gefunden. Es macht wirklich Spaß und ich freue mich immer wenn ich eine schöne neue Kombination (er)finde. Hier, wie schon erwähnt, wenn man dann doch einmal einen Fehlgriff macht, einfach gelassen reagieren. Morgen ist ein neuer Tag, oder so in der Art.

Akzente setzen

Akzente wie eine schöne Kette, Ohrringe, Taschen, ein Schal oder Halstuch, auch ein schöner Nagellack und eine neue Frisur können einem Outfit einen ganz neue Richtung geben. Ich weiß schon, das ist nicht neues, doch hatte ich mich damit nie so ausgiebig beschäftigt. In dem Jahr und auch jetzt danach nehme ich mir wirklich immer wieder die Zeit vor dem Spiegel verschiedene Kombis auszuprobieren. Die Selfies dazu dürfen dann auch nicht fehlen, da ich der Meinung bin es auf dem Foto besser beurteilen zu können. Unten habe ich Euch ein paar „Beweisfotos“ angehängt – und ja das hinter mir ist eine Dunstabzugshaube. ;P

Tauschen

Eine wunderbare Möglichkeiten seinen Kleiderschrank einerseits auszumisten und andererseits neu auszustatten, ist es einfach Gewand zu tauschen. Klamotten, die man nicht mehr trägt, aus welchem Grund auch immer, die aber noch im tip-top Zustand sind zusammensuchen und dann mit Freundinnen (idealerweise, die selbe/ähnliche Konfektionsgrößen haben) tauschen.

Ich hatte das Glück, dass meine Freundin mir tolle Sachen gegeben hat, die ihr zu groß waren (sie trägt eine Nummer kleiner) und ich wiederum habe ihr ein paar von meinen zu kleinen Lieblingsstücken gegeben. Fantastisch, beide happy ohne einen Cent ausgegeben zu haben. Wenn man das „in großem Stil“ aufziehen möchte, dann gibt es noch die Möglichkeit „Tauschparties“ zu veranstalten. Dazu gibt es viele Infos auch im Internet. Für mich war diese Lösung im kleinen Rahmen ideal und, das große Plus, ich habe mich genauso gefreut, als ob ich es gekauft hätte – wenn nicht noch mehr.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann hinterlasst doch einen Kommentar oder schreibt mir ein E-mail an contactme@margute.com.

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http://margute.com/2016/01/24/shoppingfreies-jahr-erfahrungsbericht/
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16 Responses
  • schuh6286
    Februar 2, 2016

    Wow, ein Jahr lang ohne neue Klamotten. Super! Soweit bin ich noch nicht, denn ich fange gerade erst an. Aber für das nächste Jahr ist es definitiv eine gute Idee. Mach weiter so! Toller Beitrag!

    • margute
      Februar 2, 2016

      Danke für das nette Feedback. War echt hart am Anfang, aber das ist alles nur Kopfsache. 😉 GLG

  • Marlene
    Februar 2, 2016

    Toll, dass du das geschafft hast! Ich hab mein Shopping auch weitgehend reduziert, aber ganz ohne komm ich nicht aus. Ich finde es wichtig, auch über sowas zu bloggen.
    Viele Grüße, Marlene

    • margute
      Februar 2, 2016

      Danke Marlene! Ich werde das mitnehmen für meine zukünftigen Posts. 😉

  • swisstravelgirl
    Februar 17, 2016

    auch ich kämpfe manchmal (oft) mit der Gier, immer mehr besitzen zu wollen. Ich finde es klasse, dass du dieses Experiment mit uns teilst.

    • margute
      Februar 17, 2016

      Danke für dein nettes Feedback, gerne. 😉

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