5 Dinge, die ich über Wiener Kindergärten gelernt habe

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Die letzten Wochen war ich durch alle Kindergärten der Umgebung gerannt, wie eine Verrückte. Der Grund war auf den ersten Blick ein unverständlicher, denn ich hatte bereits seit geraumer Zeit einen zugesicherten Platz in einem privaten Kindergarten.

Leider konnte ich bei unseren Spielplatzbesuchen nie meinen Mund halten und musste jede Mama bei jeder Gelegenheit auf ihren Kindergartenplatz ansprechen und interviewen. Unser Kindergarten hatte sich nämlich als Niete entpuppt, sollte man dem Spielplatzgossip Glauben schenken. 

So habe ich mich auf die Suche nach unserem Kindergartenplatz gemacht. Insgesamt war ich bei sechs Kindergärten vorstellig: bei drei privaten und drei öffentlichen. Dabei habe ich 5 Dinge über Wiener Kindergärten gelernt, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Meine Kindergarten Checkliste:

  1. Anzahl der PädagogInnen/Kindergruppengröße (das war mein wichtigstes Anliegen)
  2. pädagogisches Konzept und Zusatzangebot (Sprachförderung u.a.)
  3. Standort: Nähe vom Wohnort/Räume/Garten bzw. Grünflächen
  4. Essen im Kindergarten
  5. Ausflüge/sonstige Aktivitäten
  6. Sonderpädagogik (habe ich mir aus Neugier in einem der städtischen Kindergarten angesehen)
  7. Unterschiede bei der Anmeldung/Aufnahmekriterien
  8. Flexibilität bei Abholung/Urlauben etc.
  9. persönlicher Eindruck der Kindergartenleitung/des Personals
  10. Bauchgefühl! Bauchgefühl! Bauchgefühl!

5 Dinge, die ich über Wiener Kindergärten gelernt habe

1. Privat ist nicht automatisch besser!

Leider hat sich der Eindruck erweckt, dass man mit Kindern gerne ein gutes Geschäft macht. Zumindest Mancherorts. Im konkreten Fall habe ich die Anzahl der Pädagogen verglichen bei öffentlichen vs. privaten Anbietern in Wien. Es gibt tatsächlich einen Unterschied bei öffentlichen Kindergartengruppen bis 3 Jahre: dort sind die Gruppen kleiner und mehr Pädagogen im Einsatz. 

Privat kann natürlich besser sein, muss aber nicht. 

Kindergärten, die Zusatzleistungen, wie bilinguale Betreuung anbieten, haben meiner Meinung nach auch einen Mehrwert. Diesen Mehrwert konnte ich nicht bei allen privaten Kigas ausfindig machen.

Des Weiteren muss man bei privaten (also geförderten) Kindergärten beachten, dass die ausgemachten Stunden eingehalten, sowie längere Urlaube abgesprochen werden. Unter Umständen, kann es sonst zu einer Rückzahlung der Förderung kommen!

2. Wir sprechen Deutsch

Leider wird in den öffentlichen Kindergärten ausschließlich Deutsch gesprochen. Das finde ich sehr schade, da ich selbst mehrsprachig aufgewachsen bin. Zusätzlicher Spracherwerb im Kleinkindalter wirkt nämlich nachweislich positiv auf die Gehirnentwicklung des Kindes.

Bilinguale Konzepte bieten in Wien derzeit, ausschließlich private Anbieter an. Bei manchen öffentlichen Kindergärten gibt es vereinzelt Englischstunden, meistens jedoch nur wenn es ausgebildete Pädagogen dafür gibt.

3. Unflexibilität bei Eintritt

Nachdem wir ein Oktoberkind haben, könnte der Beginn des Kindergartenjahres im September passender nicht sein. Doch was wenn das Kind in einem anderen Monat geboren wurde, oder Frau aus anderen Gründen unterjährig wieder arbeiten gehen möchte? Das ist vor allem bei öffentlichen Kindergärten ein Thema. Private sind hier (zumindest mein bisheriger Eindruck), ein wenig flexibler was das Eintrittsdatum betrifft.

Die Anmeldung für den städtischen Kindergarten beginnt übrigens im November/Dezember, für das darauf folgende Jahr. Mehr Informationen gibt es hier.

4. Nicht jeder Kiga ist für jedes Kind da

Ein Irrglaube war, dass jedes Kind in jeden beliebigen Kindergarten gehen kann. Denn, nicht alle Kindergärten sind für alle Eltern und Kinder gleichermaßen zugänglich! Das liegt zum Einen an unterschiedlichen Aufnahmekriterien und zum Anderen an unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionen, die private und öffentliche Kindergärten erfüllen.

Während eine Anmeldung für private Kindergärten (zumindest bei den großen Anbietern in Wien) an keine Bedingungen geknüpft ist, muss bei einer Anmeldung bei einem öffentlichen Kindergarten folgende Voraussetzung erfüllt sein: beide Elternteile müssen zumindest 20 Stunden arbeiten.

Eltern mit beeinträchtigten Kindern hingegen, müssen auf das öffentliche Angebot zurückgreifen, da die großen privaten Anbieter keine Sonderpädagogik anbieten. Ob es im speziellen dieselben Aufnahmekriterien, wie für Eltern mit “normalen” Kindern gibt, habe ich mir im Detail nicht angesehen.

Ich fand es sehr traurig, dass das Kind im privaten Kindergarten also “normal” sein muss, um dort betreut zu werden. Somit erfüllt diese gesellschaftlich wichtige Funktion, derzeit hauptsächlich der öffentliche Kindergartenbetrieb.

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5. Im Kern sind alle Kindergärten gleich

Auch wenn private Anbieter es anders verpacken mögen mit individuellen Konzepten, Erlebniswelten, Klangschalen und Co., im Kern müssen alle Kindergärten gleich sein was den Bildungsplan betrifft. Dies liegt begründet im Wiener Bildungsplan für Kindergärten, welcher die Guidelines für die Kindergartenbildung vorgibt. Das Konzept können die Anbieter zwar selbst gestalten, doch im Kern müssen diese Deckungsgleich mit dem Bildungsplan sein.

Die Anzahl der Pädagogen und Kinder in einer Gruppe ist ebenfalls im Wiener Bildungsplan geregelt. Einziger Unterschied ist, wie erwähnt, die Anzahl der Pädagogen pro Kind bei Kleinkindruppen bis 3 Jahre (hier ist das Angebot im städtischen Bereich lt. meiner Recherche besser).

Individuelle Konzepte gibt es natürlich vor allem in privaten Kindergärten, doch die größten Unterschiede konnte ich hier auch nur bei der bilingualen Sprachförderung feststellen. Alles andere ist, meiner Erachtens, eine andere Verpackung, oder sagen wir Marketing. Im Endeffekt steht und fällt alles mit den Pädagogen.

Woher ich diese Information habe? Vom Informationstag der Wiener Kindergärten.

Grätzel-initiative Wiener Kindergärten

Ich bin durch Zufall auf den Infotag zum Thema Kindergarten gestossen, wo sowohl städtische als auch private Anbieter eines “Grätzels” gemeinsam vertreten waren. Es ist eine neue Initiative der Stadt Wien, die leider noch nicht sehr bekannt ist. Am Besten bei einem Kindergarten nachfragen, ob und wann es wieder Termine gibt.

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Wofür wir uns entschieden haben und warum

Wir haben uns letztendlich für einen städtischen Kindergarten entschieden. Ausschlaggebend dafür waren die zusätzlichen Pädagogen in der Kleinkindgruppe bis 3 Jahre, das Angebot einer Familiengruppe/offenen Gruppe ab 3 Jahren, die Nähe zum Wohnort, der Garten bzw. die Möglichkeit für das Spielen im Freien, sowie der persönliche Eindruck bzw. das Bauchgefühl.

Sehr schade finde ich nach wie vor, dass es keinen bilingualen Unterricht gibt. Nachdem wir jedoch, zumindest teilweise, zweisprachig Zuhause unterwegs sind, ist das ein kleines Trostpflaster für uns.

Nach all’ der Rennerei habe ich mich wieder ein wenig besinnt, denn wahrscheinlich gibt es den optimalen Kindergarten nicht und es kann gut sein, dass ich mir zu viele Gedanken mache. Egal. Jetzt müssen wir nur mehr einen Platz bekommen. Daumen drücken!!!

Zum Schluss noch ein sehr inspirierender Artikel vom Neurobiologen Gerald Hüther über die Funktion von modernen Kindergärten. Prädikat: lesenswert! “In 25 Jahren wird die Hälfte der Jobs nicht mehr existieren – es gibt nur eine Möglichkeit, Kinder darauf vorzubereiten

Weiterführende Information:

Liste der Wiener Kindergärten (öffentlich & privat)

Anmeldung städtischer Kindergarten Wien

Wiener Bildungsplan für Kindergärten

Was sind Deine Gedanken dazu? Welche Kriterien hast Du für die Auswahl Eures Kindergartens herangezogen? Oder ist die Auswahl des Kindergartens kein großes Thema gewesen?

Disclaimer: Der vorliegende Beitrag hat lediglich informativen Charakter und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.

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