Ja! zur Wahlhebamme & mein persönlicher Geburtsbericht

Dieser Beitrag ist speziell für werdende Mamis und soll einen Einblick über den Ablauf einer persönlichen Schwangerschaftsbetreuung durch eine Wahlhebamme geben. Vorweg: Ich halte prinzipiell nichts davon, werdenden Mamis (die zum ersten Mal schwanger sind) von der Geburt im Detail zu erzählen. Jede Geburt ist anders und jede Frau muss im Endeffekt ihre eigenen Erfahrungen machen. Daher dient der grobe Geburtsbericht nur zur Unterstreichung meiner persönlichen Empfehlung, die eindeutig lautet: Ja! zur Wahlhebamme. 

Warum ich mich für eine private Hebamme entschieden habe.

Bevor ich “erfolgreich” mit meiner kleinen Tochter schwanger wurde, hatte ich einen langen Weg hinter mir. Zwei Fehlgeburten. Beide in den ersten 12 Wochen. Ich war völlig fertig und begann sehr viel zu lesen, mich zu informieren und aktiv an der Verbesserung meiner Ernährung, Stresslevel etc. zu arbeiten. Jedenfalls dauerte es insgesamt 2 Jahre, bis es endlich klappte und das Baby bei mir blieb. Heute ist mein kleiner Schatz 6 Monate alt, gesund und wahnsinnig fröhlich, so dass ich all’ die emotionalen Achterbahnfahrten vergessen habe. Gott-sei-dank!

Wenn man schwanger ist, dann überlegt man meist in erster Linie von welchem Arzt Frau betreut werden will. Doch in Wahrheit sind die Hebammen, die wichtigsten Personen im Geburtsverlauf. Sofern es keine Komplikationen gibt und kein Kaiserschnitt gemacht werden muss, erscheint der Arzt meist erst wenn das Baby schon da ist um die Nachversorgung zu machen.

Nachdem ich das dritte Mal schwanger war, wollte ich alles Erdenkliche dafür tun, damit meine Schwangerschaft so angenehm wie möglich verlief. Natürlich lag es nicht an der fehlenden Hebamme, dass es die ersten beiden Male nicht geklappt hatte. Dennoch wollte ich eine Vertrauensperson haben, jemanden den ich bereits vorher kannte, für die professionelle Begleitung meiner Schwangerschaft und Geburt. Mit meinem Frauenarzt hatte ich obendrein kein sehr enges Verhältnis, daher machte eine private Wahlhebamme für mich doppelt Sinn.

Individuelle Vorbereitung auf die Geburt.

Vor der Geburt hatten wir uns mehrmals getroffen, um den Geburtsverlauf zu besprechen und die letzten Ultraschalluntersuchungen gemeinsam zu absolvieren. Auch als sich meine Kleine nicht nach unten drehen wollte, hatte mir meine Hebi wirklich gute Tipps gegeben, damit es dann doch noch klappt. (Welche das waren, lest ihr in einem separaten Beitrag.) Übrigens hatte ich auch gleich mit meinem Mann einen “Crash”- Geburtsvorbereitungskurs bei ihr gemacht und die Gebühr für einen separaten Kurs gespart. 😉 Dazwischen war ich bei meinem  Frauenarzt um die Mutter-Kind-Pass Untersuchungen zu machen. Auf Wunsch können auch Hebammen diese Untersuchungen vornehmen.

Die Wahlhebamme hatte 3 Wochen vor und 3 Wochen nach dem errechneten Geburtstermin 24h-Rufbereitschaft. Meine Maus war ungefähr eine Woche drüber. Ab dem errechneten Termin war ich mit meiner Hebamme beinahe jeden Tag in Kontakt und alle 2-3 Tage trafen wir uns im Spital für ein CTG, ob die Herztöne und sonst alles “ok” waren. Eine Woche nach dem errechneten Termin, hielt ich es nicht mehr aus und wir versuchten einen “Wehencocktail”. Die Wehen setzten dann in der kommenden Nacht ein, jedoch nicht in den richtigen Abständen, und hörten am nächsten Morgen wieder auf. Die Nacht darauf wieder das selbe.  In der dritten Nacht war es dann endlich soweit: ich rief die Hebamme an und wir fuhren endlich ins Spital.

Mein persönlicher Geburtsbericht.

Im Spital angekommen, sah zunächst alles gut aus. Vorerst. Doch bis Mittag waren wir nicht weiter gekommen und mir ging langsam die Energie aus. Nachdem sich bei mir nichts tat und ich einfach nicht mehr konnte, schlug meine Hebamme eine PDA und Wehenbeschleuniger vor. So würde ich mich ein wenig ausruhen können.

Vor der Geburt, hatte ich wochenlang überlegt, ob ich, im Falle einer Komplikation, einen Kreuzstich (PDA) machen lassen würde. Mit sehr viel Bauchweh, hatte ich letztendlich das Formular unterschrieben. Ich war so unsicher was ich tun sollte, hatte Angst vor möglichen Komplikationen, die immerhin (theoretisch) bis zur dauerhaften Lähmungen reichen konnten. Sie beruhigte mich und ich vertraute ihr letztendlich bei dieser Entscheidung.

Dann kam der nächste Schock! Die Herztöne der Kleinen waren auf einmal schlechter geworden. Ich begann fast zu hyperventilieren und kam an die Sauerstoffmaschine. Nachdem ich schon davor bemerkt hatte, dass irgendwas da unten wohl nicht stimmte, sagte mir meine Hebi endlich, dass die Kleine sich nicht in das Becken gedreht hatte. Das war wohl auch mit der Grund, warum sich der Muttermund nicht öffnete. Später kam sie als “Sternengucker” zur Welt.

Nachdem die Herztöne sich erneut verschlechterten und ich mit meiner Energie am Ende war, schlug sie vor einen alternativen Geburtsverlauf zu besprechen. Sprich: Kaiserschnitt. Es handelte sich jedoch um keinen Notkaiserschnitt. Ich war fast erleichtert, dass das alles endlich ein Ende nehmen würde. Wochen zuvor, als meine Kleine verkehrt im Bauch saß, war mir zum Weinen bei dem Gedanken an einen Kaiserschnitt und keine natürliche Geburt. Doch in diesem Moment, hätte ich wohl wohl allem zugestimmt, nur damit der Schmerz endlich aufhört!

Nach einer erneuten Untersuchung ging es gleich in den OP. Mein Mann, die Hebamme, mein Frauenarzt und ein riesiges Team begleiteten uns. Alles ging gut und nach kurzer Zeit war unser Sonnenschein da. ♥ Ich kann mich gut erinnern, als sie uns die Kleine zum ersten Mal zeigten. Sie weinte gar nicht, sondern schaute uns einfach nur an. So nach dem Motto: “naja, also da wären wir mal”.

Nach vier Tagen, wollte ich unbedingt nach Hause, da ich diese strenge Spitalsroutine nicht mehr aushielt. Nachdem alles okay war, wurde ich (in die Freiheit) entlassen.

Private Nachsorge zu Hause.

Die Nachsorge war wirklich eine tolle Sache! Eigentlich beginnt diese gleich nach der Geburt, doch nachdem das Spitalspersonal da war, vereinbarten wir mit der Hebamme unsere “Zusammenarbeit” nach meiner Entlassung weiterzuführen. Dennoch besuchte sie mich täglich, zumindest für 10 Minuten.

Nachdem wir endlich zu Hause waren, kam die Hebamme mehrmals zu uns: für die Nabelpflege, das gemeinsame Baden, Tipps rund ums Stillen, Gewichtskontrolle der Kleinen usw. Sie versorgte und kontrollierte auch meine Wunde und zog die Nähte. Ich musste nicht extra zu meinem Frauenarzt fahren, was ich ebenfalls als wahnsinnig angenehm empfand.

Darüber hinaus, konnte ich alle meine Fragen loswerden. Es waren doch einige! Ein gutes Gefühl Jemanden zu haben, der auf Alles eine Antwort wusste. Ein paar Mal rief ich sie auch spät Abends an, wenn die Kleine sich nicht beruhigen lies, Bauchweh hatte oder ich sonst eine Unsicherheit verspürte.

Die Betreuung war dann nach circa 4 Wochen “offiziell” zu Ende. Es kam mir echt schnell vor und anfangs war ich ein wenig irritiert. Im Endeffekt hatte es dann doch gepasst und der Babyalltag spiele sich langsam ein. Ich konnte sie jederzeit wieder anrufen und könnte es heute noch. Ich habe es dann nur nicht mehr getan, weil es ich es nicht mehr für Notwendig empfand.

Müsste ich mich nochmals entscheiden, würde ich wieder eine Wahlhebamme engagieren! Überlegst Du ebenfalls Dich von einer privaten Hebamme begleiten zu lassen? Hier findest Du weiterführende Informationen dazu.

Aus persönlichen Erfahrung, macht es absolut Sinn eine private Hebamme bzw. eine Wahlhebamme zu engagieren. Dies sind die wichtigsten Gründe, welche, aus meiner Sicht, für eine Wahlhebamme sprechen:

  • persönliche Ebene und Vertrauensbasis vor, während und nach der Geburt, die für mich eine enorme Bereicherung und Erleichterung darstellten;
  • telefonische Erreichbarkeit bei Fragen, Sorgen und das Gefühl einen Ansprechpartner für alle meine Fragen zu haben;
  • “rund-um-Betreuung” abseits der rein “klinischen” Untersuchungen, Gespräche und auch gutes für die “Seele” der werdenden Mutter sowie die Zeit, die viele (auch Privatärzte) leider nicht haben, um sich mit der Schwangeren “auseinander” zu setzen;
  • Zusatzqualifikationen wie Schwangeren-Akupunktur und Heilkräuterkunde etc., werden von vielen Hebammen angeboten;
  • Hausbesuche (insb. nach der Geburt): so hat die frisch-gebackene Mama keinen Stress im Spital alles Nötige lernen zu müssen um zu Hause mit dem Baby zu “überleben”;
  • Geburtsuntersuchungen (Mutter-Kind-Pass) können theoretisch auch von der Hebamme gemacht werden;
  • Beratung und Betreuung bei Stillproblemen;
  • zuletzt ein gutes Gefühl einen kompetenten “Partner” für die Geburt zu haben, neben einem vertrauensvollen Frauenarzt (im Idealfall arbeiten Arzt und Hebamme zusammen im Team).

Ich habe ca. EUR 1.500 bezahlt, rund EUR 400,- übernahm die Krankenkasse! (Stand 2017)

Wann kontaktiert man eine Wahlhebamme?

Sobald wie möglich! Wahlhebammen sind meistens gut gebucht und sollten nach Möglichkeit im 1. Trimester kontaktiert werden. Abgesehen davon kann es passieren, dass man sich für eine Wahlhebamme entscheidet und nach dem 1. Gespräch darauf kommt, dass die Chemie nicht stimmt. Daher ist es wichtig, ein Kennenlern-Gespräch zu vereinbaren.

Weiterführende Informationen zur individuellen Schwangerenbetreuung durch Wahlhebammen findest Du hier.

Liste der Hebammen in Österreich

Hast Du Fragen rund um die Betreuung durch eine Wahlhebamme? Dann kontaktiere mich unter margutedotcom[at]gmail.com!

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